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Impulse durch den Heiß(en)WOLF

Nein, bloß keinen Streit! Das Letzte, was wir N-Bahner im Moment brauchen ist ein "Glaubenskrieg" zwischen Analog- und Digitalfahrern. Darum sage ich es auch gleich vornweg: Dies ist ein Beitrag für jene KollegeN, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht oder nicht mehr auf digitalen Betrieb umstellen wollen. Dies sind gar nicht so wenige N-Bahner und man sollte dies als Anhänger des digitalen Steuern und Fahrens einfach so akzeptieren. Was ja nicht ausschließt sich über die Vor- und Nachteile der digitalen Technik (friedlich!) auszutauschen. Sie bemerken hoffentlich die Interneterfahrung des Verfassers bezüglich typisch deutscher Eigenschaften!

Eines verbindet die Anhänger beider Steuerungsverfahren sowieso: Beim Öffnen mancher N-Lokgehäuse kommt nicht selten eine Motor- und Getriebetechnik hervor, die mittlerweile das Prädikat historisch verdient. Ich zucke schon immer zusammen, wenn in Neuheitenprospekten noch von einem "bewährten" Motor- oder Antriebskonzept die Rede ist und denke mir, dass verschiedene Spezialfirmen für Motor- oder Getriebeumbauten darüber viel mehr erzählen könnten. Mehr jedenfalls, als es manchem Hersteller lieb wäre. Denn schließlich kann auch die digitalste Technik aus einer schlechten Antriebseinheit kein Spitzenfahrverhalten hervorzaubern. Gerade im digitalen Zeitalter wird oftmals übersehen, dass ein gutes Fahrverhalten von N-Modellen aus dem Zusammenspiel mehrerer Komponenten entsteht. Und dass dabei neben der Modellkonstruktion und dem Fahrweg auch die eigentlichen Fahrgeräte eine sehr entscheidende Rolle spielen. Nun ist das Thema der analogen Fahrregler tatsächlich sehr in den Hintergrund geraten. Etwas zu Unrecht und ein Marketingfehler zudem finde ich, denn der Anteil der analogfahrenden N-Bahner ist nach wie vor beachtlich und - das Internet zeigt es - analoge Loks werden noch auf Jahre hinaus in Mengen gehandelt werden. Wenn man jedoch manchen Lokmotor schon als historisch bezeichnet, so kann man manchem analogen Trafo oder Fahrregler eigentlich schon musealen Charakter zusprechen. Manchmal denke ich: Gott sei Dank machen die wenigsten Modellbahner diese Geräte auf - auch Tränen könnten Kurzschlüsse bewirken.
Angeregt durch eine Diskussion im Internet über die Eigenschaften des Roco-Fahrreglers ASC 2000 (Impulsbreitensteuerung, nicht mehr im Roco-Programm) habe ich mich daher einmal umgesehen, ob es nicht auch für Analogfahrer Entwicklungen für zeitgemäße und fortschrittliche Fahrgeräte gibt. Und siehe da – keine 40 km von meinem Wohnort Stuttgart entfernt wurde ich auf eine Firma Heißwolf in Reutlingen aufmerksam. Und was Herr Heißwolf da für die Analogfahrer entwickelt hat, macht zunächst einmal neugierig.
Dem Konzept des Heißwolfschen Fahrreglers liegt folgende Problematik zugrunde:
Da gibt es also Analogloks mit den sogenannten Eisenankermotoren und solche mit Glockenankermotoren ( z.B. Faulhaber). Erstere haben beim Anfahren ein hohes Beharrungsvermögen (Rastmoment) und reagieren mit Impulsbreitensteuerungen auch für niedrige Geschwindigkeiten in der Regel mit einem deutlich besseren Fahrverhalten. Die Spannungsspitzen stoßen den Motor sozusagen regelrecht an. Ist ein solches Modellfahrzeug aber erst einmal in Bewegung, kann der Fahrregler wieder etwas zurückgenommen werden. Im Prinzip reicht dann zur Regelung eine reine Gleichstromregelung aus, welche auch den Motor etwas schonen würde. Glockenankermotore mögen Impulsbreitensteuerungen im Dauerbetrieb dagegen überhaupt nicht. Allenthalben wird davor eindringlich gewarnt. Dafür freuen sich diese leichter anlaufenden Motore über eine möglichst reine Gleichspannungsregelung. Allenfalls beim Anfahren bringen ein paar kleine Impulse auch einen "Fauli" besser in Schwung. Und ein Fahrregler für Glockenankermotore sollte die Fahrspannung auch wirklich auf null Volt herunter regeln können. Hat doch schon mancher Modellbahner solche Loks trotz Stellung null am Regler munter weiterfahren sehen.
Ja und was machen Sie, wenn sie Fahrzeuge beider Motorbauarten auf Ihrer Anlage einsetzen wollen?
Da müssen Sie schon ziemlich aufpassen, welches Fahrpult gerade an welcher Lok hängt. Ganz abgesehen davon, dass Sie verschiedene Parameter jeder Lok immer neu einstellen müssen, falls Sie nicht viele Regler einsetzen wollen oder Ihre Z-Schaltungen virtuos bedienen. Ja, liebe Digitalfahrer, diese Probleme habt Ihr in der Tat nicht mehr.
Die analoge Lösung von Heißwolf ist nun vereinfacht gesagt folgende: Man sorge dafür, dass man mit einem Fahrregler verschiedene Fahrzeuge auswählen kann Und zwar ganz gleich, welche Motorart nun eingebaut ist. Mit jeder Fahrzeugauswahl werden die richtigen zuvor ausgewählten Fahrspannungen (also Impulse oder reine Gleichspannung), sowie ausgetestete weitere Parameter (z.B. gewünschte Höchstgeschwindigkeit) automatisch eingestellt. Und der Modellbahner kann nach der Auswahl der Lok sofort den Regler bedienen ohne sich hierüber Gedanken zu machen. Heißwolfs zusätzliche interessante Idee (er nennt dies SFRspezial): Wenn man sowieso ein Gerät baut, das beide Steuerungsmöglichkeiten zur Verfügung stellt, liegt es nahe auch die Vorteile beider Regelungen zu kombinieren. Also mit Impulsbreitensteuerung anzufahren und diese bei niedrigen Geschwindigkeiten zu verwenden, um dann bei höheren Geschwindigkeiten auf reine Gleichstromregelung zu wechseln. Automatisiert, versteht sich - quasi ohne dass der "Lokführer" etwas merkt. Und ein paar weitere nützliche Dinge, wie einstellbare Beschleunigungs- und Bremszeiten sind selbstverständlich auch in die Entwicklung eingeflossen. Technische Details, wie Kurzschluss- und Temperaturüberwachung, Kurzschlussfestigkeit und Notstopfunktion runden die Sache ab. Was mir zudem positiv auffiel: Man kann den Namen seiner Triebfahrzeuge 8stellig alphanummerisch eingeben (also z.B. "Rote 151" oder auch "Eilzug"). Es mag eine persönliche Ansicht von mir sein, aber optische Anzeigen von elektrischen Geräten, welche ich nur mit Übersetzungstabellen verstehe sind mir ein Graus.

Soweit – so gut, dachte ich mir nach Studium der Unterlagen von Herrn Heißwolf. Diesen Ansatz kann man ja theoretisch super nachvollziehen. Aber sieht die Praxis auch so super aus? Also habe ich einige meiner älteren Loks (genau diese Fahrzeuge liegen uns doch so zahlreich am Herzen, liebe Analogfahrer, oder?) eingepackt und kurzerhand der Fa. Heißwolf einen Besuch abgestattet.
Herr Heißwolf möge es mir verzeihen, aber ich habe wirklich dabei ältere und mir bekanntermaßen schlecht (an-)fahrende Modelle eingepackt. Denn dass sich für ein Faulhaber-Modell mit zwei Schwungmassen heute ein adäquater Fahrregler bauen lässt, setzte ich eigentlich voraus.
So übergab ich meine vier (Test-)Loks Herrn Heißwolf mit der Bitte, doch einmal zu zeigen, was denn nun sein Fahrgerät alles kann. Ja, liebe Leser, was dann geschah war doch erstaunlich. Es mag natürlich sein, dass die Erfahrung von Herrn Heißwolf schneller die richtige Abstimmung einer Lok trifft. Da dieser Vorgang aber nur einmalig durchzuführen ist, kann es eigentlich gleichgültig sein, ob man dazu nun eine oder fünf Minuten braucht. Da gilt es schon mal etwas hin und her zu probieren und die Loks zu beobachten, bis eine optimale Einstellung gefunden ist. Ich lernte, dass es hauptsächlich die abgestimmte Kombination von Impulsfrequenz und der Spannungseinstellung ( z.B. Anfahrspannung) ist, welche das Fahrverhalten entscheidend ändert. Durch geschickte Auswahl dieser Parameter ist es praktisch möglich jedes Fahrzeug gezielt optimal abzustimmen und dann Fahreigenschaften zu erzielen, die ich bei diesen Fahrzeugen bisher noch nicht beobachten konnte.
Als ältestes Modell hatte ich einen uralten schon etwas abgefahrenen Turmtriebwagen von ARNOLD ( Nr. 0290) dabei. Nach etwas Probieren waren selbst diesem Modell zumindest gute Langsamfahreigenschaften zu entlocken. Noch besser sah es mit der BR 320 von ROCO ( Nr. 23268)aus. Durch die zwei Kardanwellen und die Schwungmasse hat dies Lok ein typisches Problem im Anfahrverhalten. Sie kennen doch von konventionellen Trafos folgenden Effekt: Erst fährt die Lok beim Hochregeln überhaupt nicht an, dann aber unvermittelt und viel zu schnell. Nun muß man wieder etwas zurück regeln damit die Lok nicht zu schnell ist. Das ist bei einer richtigen Abstimmung mit einem Heißwolfschen Fahrregler nicht der Fall. Die Loks fahren langsam an und reagieren sehr feinfühlig auf den Regler. Ob dies 256 Fahrstufen sein müssen sei dahingestellt. Sie stehen jedenfalls zur Verfügung und sollten gerade bei Faulhabermotoren zu keinen erkennbaren Geschwindigkeitssprüngen führen.
Von MINITRIX hatte ich eine ältere 103 (Nr. 51 2057) dabei. Auch hier das gleiche hervorragende Ergebnis. Wobei sich bei diesem Modell auch zeigte: Gegen Kontaktprobleme kommt naturgemäß kein Fahrregler an. Als letztes hatte ich ein Fahrzeug mit eher robuster Technik, nämlich eine V 80 von IBERTREN (Nr. 6938) mitgebracht. Als wäre es eine Rangierlok - nur so kann man das Fahrverhalten beschreiben. Man musste nun schon sehr genau und länger hinsehen um die Bewegung der Lok zu bemerken.
Ich kann Ihnen selbstverständlich nur meine eigenen Eindrücke wiedergeben. Die Loks fuhren langsam, ruckfrei, waren feinfühlig regelbar und konnten je nach Einstellung sehr direkt oder auch eher dynamisch am Regler hängen. Kurz gesagt, ich persönlich war doch ziemlich begeistert, weil ich dies so ausgeprägt bei meinen "Oldies" doch nicht erwartet hatte.

Zu den Geräten der Fa. Heißwolf selbst:
Sie müssen eigentlich nur eine Stromquelle, ein Leistungsteil (Bild 1) und den eigentlichen Fahrregler (genannt Bedienteil / Bild 2) zusammenstecken. Dabei kommt als Stromquelle auch ein gewöhnlicher Modellbahntrafo in Betracht (wenn er die Leistungsdaten 15 V  / 38VA erbringt). Auf den Abbildungen erscheinen die einzelnen Komponenten - dabei besonders das durchsichtige Gehäuse ( Lieferzustand, kein Demonstrations- oder Ausstellungsmodell!) - vielleicht etwas zu technisch. Ich darf Ihnen aber versichern: Es ist sprichwörtlich kinderleicht und (Modellbahner-) narrensicher, die einzelnen Komponenten von Heißwolf zusammen zu stecken. Schon nach wenigen Minuten ist alles funktionsfähig.
Als wichtigstes Zubehör (Bild 3) sind z.Z. ein Speichermodul und eine Synchronisationseinheit zu erhalten. Beide brauchen Sie jedoch nur, wenn Sie mehrere dieser Regler in getrennten Stromkreisen einsetzen. Einerseits um die ermittelten Fahrzeugdaten auf andere Fahrregler zu übertragen, andererseits um problemlos die Trennstellen von Stromkreisen zu überfahren. Praktiker unter Ihnen werden die "Bocksprünge" kennen, wenn Loks Trennstellen überfahren und sich kurzzeitig die Spannungen zweier Stromkreise addieren können.
Kabel und Buchsen für Anschlussmöglichkeiten des Fahrreglers an beliebigen Stellen einer Anlage runden z. Z. das Angebot ab. Falls kein geeigneter Modellbahntrafo zur Verfügung steht, ist auch ein Stromversorgungsset lieferbar. Einen Anhaltspunkt über die Abmessungen der Teile gibt Ihnen Bild 4.

Preise (Stand 04.10.03):
Leistungsteil und Fahrregler (Bedienteil) mit Verbindungskabel 145,00 Euro
Netzanschlussset und Synchromodul je     25,00 Euro
Ergänzende Komponenten und Monatagematerial zwischen 6,00 und 15,00 Euro
Pendelzug-Modul      39,00 Euro
Alle Preise inkl. 16 % MwSt zzgl. evtl. Versandkosten.

Eine Bewertung, ob einem dies die Sache wert ist, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Und Sie sollten sich dabei ehrlicher Weise auch klarmachen, mit welchen Alternativen Sie vergleichen. Mit wie vielen einzelnen Motorumbauten Ihrer Loks? Doch mit einer angedachten Digitalisierung Ihres Fahrzeugparkes / Ihrer Anlage? Oder mit dem Kauf eines anderen einzelnen Fahrreglers? Oder gar doch eines (auch) analogen Komplettsystems, wie z.B. Gahler und Ringstmeier? Und wieviel Automatikbetrieb wollen Sie überhaupt auf Ihrer Anlage? Allein diese Beispiele und Fragen zeigen schon, dass dies bei jedem Fahrzeugbestand, jeder Anlage und jeder individuellen Absicht - die finanziellen Möglichkeiten nicht zu vergessen (!) - zu einem anderem Ergebnis führen wird.

Mein persönliches Fazit:
Wer sicher ist weiter analog zu fahren, zahlreiche auch ältere Fahrzeuge mit beiden Motorarten einsetzt und sich über die schlechten Fahreigenschaften seiner Modelle permanent ärgert, sollte sich einmal näher mit dem Fahrgerät von Heißwolf beschäftigen. Hier hat sich jemand ernsthaft Gedanken gemacht und bzgl. Fahrverhalten im Analogbereich sicher eine hervorragende Alternative geschaffen. Klar ist auch, dass die Fa. Heißwolf zumindest im Moment noch kein komplettes Fahr- oder Steuerungssystem anbietet. Entsprechende Entwicklungen sind angedacht und z.B. die Pendelzugautomatik fast produktionsreif. Aber es ist klar, dass N-Bahner mit größeren Anlagen sofort mit Fragen nach Blockbetrieb oder Schattenbahnhofsteuerungen aufwarten. Man sollte aber einen Heißwolfschen Fahrregler nicht mit großen analogen Systemlösungen oder gar den digitalen Systemen vergleichen. Dies ist sicher auch nicht erste Zielrichtung dieser Entwicklung. Zudem sei daran erinnert: Es gibt schon immer Anbieter, welche unabhängig von Systemen nur einzelne Module, wie z.B. nur Schattenbahnhofs- oder nur Blockautomatiken anbieten. Ob und in welchem Umfang die Fa. Heißwolf ihr modulares System auf- und ausbaut, wird sicher auch vom weiteren (Verkaufs-) Erfolg des Fahrreglers abhängen. Mich haben erst mal diese Fahreigenschaften überzeugt.

Kontaktadressen sind:
Für Technik und Entwicklung:Fa. Heißwolf, Nürnberger Straße 192, Telefon: 07121 230703, 72760 Reutlingen
eMail:
bernd@heisswolf.net, Internet: www.heisswolf.net
Für den Vertrieb: Wörner Modellbahnen, Hunzelweg 3, Telefon: 07144 83 15 65, 71729 Erdmannhausen
Fax: 07144 83 15 64, eMail:
hw@woerner-modellbahnen.de, Internet: www.woerner-modellbahnen.de

Sehr zu empfehlen ist auch die Internetseite http://www.anhalterbahnhof.de/start.html
von Herr Guido Kruschke. Herr Krutschke hat die Heißwolfschen Fahrregler zwar für seine Spur Z Anlage getestet. Auf seiner Homepage gibt es aber viele weitere Abbildungen hierzu und Sie erhalten einen guten Eindruck der Geräte.

Bernd Eichenauer
Stuttgart


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